Dafür werden 680 zusätzliche Lehrerstellen finanziert. Das kündigte Ministerpräsident Boris Rhein bei einer Pressekonferenz am Montag in Wiesbaden gemeinsam mit Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori und Kultusminister Armin Schwarz an. Das Bildungschancenpaket steht unter dem Dreiklang „Erfolgreich lernen – unsere Welt verstehen – alle Kinder mitnehmen“. Es ist die Antwort des Landes auf gesellschaftliche Veränderungen wie sinkende Lesekompetenzen, die Herausforderungen sozialer Medien und die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz.
Ziel des Bildungschancenpakets ist es, grundlegende Kompetenzen zu stärken, Kinder auf die digitale Welt vorzubereiten, Schulen mit besonderen Herausforderungen noch gezielter zu unterstützen und Leistungsbereitschaft noch stärker zu würdigen. Der Regierungschef sagte: „Auch in schwieriger Finanzlage setzen wir Prioritäten – für erstklassigen Unterricht, noch mehr individuelle Förderung und für eine gute Bezahlung unserer Lehrerinnen und Lehrer. Hessen kürzt nicht bei der Bildung, im Gegenteil. Wir investieren in dieses enorm wichtige Thema für unser Land. Unser Versprechen an jedes Kind in Hessen lautet: Aufstieg durch Bildung ist möglich.“ In diesem Jahr fließt die Rekordsumme von 6,2 Milliarden Euro in schulische Bildung – fast 400 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dazu kommt nun noch das Bildungschancenpaket. Rhein sagte: „Das ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder und in die Zukunft unseres Landes.“
Fundament für eine gute Zukunft
Wirtschaftsminister Kaweeh Mansoori, der stellvertretende Ministerpräsident, hob hervor: „Gute Bildung ist das Fundament für eine gute Zukunft. Deshalb wollen wir allen Kindern die besten Chancen eröffnen – unabhängig davon, wo sie aufwachsen und welche Voraussetzungen sie mitbringen. Mit dem Bildungschancenpaket setzen wir gezielt dort an, wo zusätzliche Unterstützung benötigt wird. Wir stärken die grundlegenden Kompetenzen in Deutsch und Mathematik von Beginn an und vermitteln die digitalen Fähigkeiten, die für Bildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe heute unverzichtbar sind. Unser Anspruch ist, jedes Kind bestmöglich zu fördern und seine individuellen Begabungen zur Entfaltung zu bringen. Dafür muss sich Schule konsequent an den Bedürfnissen der Kinder orientieren. Bildungsgerechtigkeit bedeutet für uns deshalb nicht, allen das Gleiche zu geben, sondern jedem Kind die Unterstützung, die es für einen erfolgreichen Bildungsweg braucht.“
Kultusminister Armin Schwarz sagte: „Bildung in Hessen soll nicht nur verlässlich funktionieren, sondern auch mit Mut und klarem Plan vorangehen. Unser neues Bildungschancenpaket ist ein echtes Kraftpaket. Das Bündel der neuen Maßnahmen ergänzt unsere intensive Arbeit bei der Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, von wichtigen Fähigkeiten in der digitalen Welt und bekräftigt das Bekenntnis zur Leistung. Wir sind das Land mit den wenigsten Schulabbrechern und orientieren uns auch mit dem Bildungschancenpaket an Erkenntnissen der Bildungsforschung und aktueller Studien. Die Zukunft von morgen beginnt in unseren Klassenzimmern von heute.“
Mehr Deutsch, Lesen und Mathematik
Ein Schwerpunkt des Bildungschancenpakets liegt auf den grundlegenden Kompetenzen. Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll es in der ersten Klasse eine zusätzliche Deutschstunde geben. Damit kommen die Schülerinnen und Schüler im ersten Schuljahr auf sieben Deutschstunden pro Woche. Zudem ist in den dritten und vierten Klassen künftig täglich rund eine halbe Stunde verbindliche Lesezeit vorgesehen.
Auch in Mathematik soll früher angesetzt werden. In den ersten beiden Klassen sind sogenannte Mitlaufkurse geplant, ab Klasse fünf und sechs Basiskurse. Lernrückstände sollen so möglichst früh erkannt und gezielt aufgearbeitet werden.
Medienführerschein und neues Fach „KI und Digitale Welt“
Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung will Hessen die Medienkompetenz von Kindern stärken. Für alle Viertklässlerinnen und Viertklässler soll ein verpflichtender Medienführerschein eingeführt werden. Dabei geht es unter anderem um die Vermittlung des sicheren Umgangs mit dem Internet, der Bedeutung persönlicher Daten sowie der Chancen und Risiken digitaler Medien.
Darüber hinaus führt Hessen als erstes Land das Fach „KI und Digitale Welt“ verpflichtend ein. Starten soll es im kommenden Schuljahr zunächst in der fünften Klasse, im darauffolgenden Schuljahr auch in der sechsten Klasse. Kinder sollen damit nicht nur den Umgang mit digitalen Technologien lernen, sondern auch einen verantwortungsvollen Einsatz.
Mehr Unterstützung für Schulen mit besonderen Herausforderungen
Die gezielte Förderung von Schulen mit schwieriger sozialer Ausgangslage ist ebenfalls Teil des Pakets. Für mehr Chancengerechtigkeit entwickelt das Land den Sozialindex weiter. In zwei Tranchen sind jeweils 100 zusätzliche Stellen für Schulen, die besonderen Unterstützungsbedarf haben, vorgesehen.
Gleichzeitig will die Landesregierung die Leistungskultur an Schulen stärken. Geplant sind unter anderem ein Talente-Campus für besonders begabte Schülerinnen und Schüler, Ehrungen für herausragende Absolventinnen und Absolventen sowie der Ausbau des Landesfinaltags bei „Jugend trainiert für Olympia“.