Anlässlich des bundesweiten Automobil-Aktionstags hat Hessens Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Kaweh Mansoori gefordert, die staatliche E-Auto-Förderung stärker mit der Produktion in Deutschland und Europa zu verbinden. Wenn der Staat den Kauf von Elektroautos fördere, müsse künftig stärker berücksichtigt werden, wo die Fahrzeuge gebaut werden und wo wichtige Teile hergestellt werden.
„Die Beschäftigten unserer Autoindustrie kämpfen um ihre Arbeitsplätze und um die Zukunft ihrer Standorte. Gleichzeitig fördern wir mit Steuergeld den Kauf von E-Autos, ohne ausreichend zu berücksichtigen, wo diese Fahrzeuge produziert werden. Das passt nicht zusammen. Wenn der Staat Geld in die Hand nimmt, muss die Förderung auch dazu beitragen, industrielle Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze in Europa zu sichern. Wer hier produziert, investiert und Beschäftigung sichert, sollte deshalb bei der Förderung einen Vorteil haben“, sagte Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori.
Steuergeld soll auch Arbeitsplätze hier sichern
Nach einem Zwischenbericht des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurden bis zum 1. September 2026 bundesweit 52.473 Elektrofahrzeuge mit insgesamt rund 230 Millionen Euro gefördert. Förderfähig sind grundsätzlich Fahrzeuge aller Hersteller. Dabei spielt bislang keine entscheidende Rolle, ob ein Fahrzeug oder wichtige Teile davon in Europa hergestellt werden.
Mansoori spricht sich deshalb für eine „Buy European“-Regel bei der E-Auto-Förderung aus. Künftig soll stärker berücksichtigt werden, ob ein Fahrzeug in Europa produziert oder endmontiert wird und in welchem Umfang wichtige Teile aus europäischer Produktion stammen. Auch Bund, Länder und Kommunen könnten beim Kauf ihrer eigenen Fahrzeuge stärker darauf achten, dass diese in Europa produziert werden. Entsprechende Ansätze werden derzeit auch auf europäischer Ebene diskutiert.
„Dabei geht es nicht um Abschottung, sondern um faire Bedingungen und eine kluge Industriepolitik. Europa verfügt über starke Hersteller und Zulieferer und vor allem über hervorragend ausgebildete Beschäftigte. Dieses industrielle Fundament dürfen wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Staatliche Förderung sollte deshalb einen Unterschied machen zwischen Unternehmen, die hier Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen, und solchen, die davon nicht oder kaum einen Beitrag leisten“, sagte Mansoori.
Hessen ist Autoland
Die deutsche Automobilindustrie steht derzeit unter erheblichem Druck. Sinkende Nachfrage, internationale Konkurrenz und die Umstellung auf Elektromobilität stellen Hersteller und Zulieferer vor große Herausforderungen. Gleichzeitig sind gerade bei Elektroautos wichtige Komponenten wie Batteriezellen und Halbleiter bislang stark von Produktion außerhalb Europas abhängig.
Mansoori hatte sich zuletzt mehrfach für die Sicherung der deutschen Automobilstandorte und ihrer Beschäftigten eingesetzt. Ende August nahm er an der Betriebsversammlung im Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal teil. Dort forderte er verlässliche Perspektiven für Produkte, Investitionen und Beschäftigung. Das Werk hat in den vergangenen Jahren den Wandel vom klassischen Getriebewerk hin zu einem wichtigen Standort für elektrische Antriebe vollzogen.
„Hessen ist Autoland und soll es bleiben. In Baunatal und an vielen anderen Standorten sehen wir, was unsere Beschäftigten können. Sie haben den Wandel längst angenommen und bauen heute die Technik für die Autos von morgen. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass diese Autos und ihre wichtigsten Teile auch künftig hier produziert werden. Öffentliche Förderung kann dabei helfen. Dann sollten wir sie auch genau dafür nutzen“, sagte Mansoori.
Neben der Fahrzeugproduktion müsse deshalb auch die Herstellung wichtiger Komponenten wieder stärker in Deutschland und Europa stattfinden. Das betreffe insbesondere Batteriezellen und Batterien, Halbleiter sowie die Entwicklung von Fahrzeugsoftware. Forschung und der Aufbau neuer Produktionskapazitäten könnten dabei gezielt unterstützt werden.